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Duftnoten

Oud-Parfum: Was Oud ist, wie es riecht und bekannte Düfte

Ein Oud-Parfum ist ein Duft, in dem Oud die prägende Note ist – der dunkle, holzig-harzige Duft von Agarholz. Oud entsteht, wenn bestimmte tropische Bäume der Gattung Aquilaria verletzt und von Pilzen befallen werden: Das Kernholz bildet dann ein stark duftendes Harz. Im Parfüm wirkt Oud warm, rauchig, ledrig und balsamisch, je nach Qualität auch leicht animalisch.

Hier erfährst du, woher Oud kommt, warum echtes Oudöl so selten ist, was Artenschutz und CITES damit zu tun haben, wie synthetisches Oud funktioniert und welche bekannten Oud-Düfte die Note in Europa populär gemacht haben.

Was ist Oud?

„Oud“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet wörtlich „Holz“ oder „Stab“. Gemeint ist Agarholz, auf Deutsch auch Adlerholz genannt: harzgetränktes Kernholz von Bäumen der Gattung Aquilaria und der verwandten Gattung Gyrinops. Die Bäume wachsen in Süd- und Südostasien, von Indien und Bangladesch über Kambodscha, Vietnam und Laos bis Malaysia und Indonesien.

Gesundes Aquilaria-Holz ist hell und riecht kaum. Erst die Abwehrreaktion des Baumes macht daraus Oud. In der arabischen Welt wird das Holz seit Jahrhunderten als Räucherwerk verbrannt, das destillierte Öl heißt dort Dehn al Oudh. In der europäischen Parfümerie ist Oud dagegen eine vergleichsweise junge Note, die erst seit Anfang der 2000er-Jahre breit eingesetzt wird.

Wie entsteht Agarholz?

Wird ein Aquilaria-Baum verletzt – etwa durch Sturm, Insekten oder einen Schnitt – und dringen Pilze wie Phaeoacremonium parasiticum ins Holz ein, reagiert der Baum mit einer Harzbildung. Das Harz lagert sich über Jahre im Kernholz ein. Das Holz wird dadurch dunkel, schwer und dicht und beginnt intensiv zu duften.

In natürlichen Wäldern ist nur ein kleiner Teil der Bäume befallen; gängige Quellen nennen etwa sieben von hundert. Von außen sieht man einem Baum nicht an, ob er Harz gebildet hat. Früher wurden deshalb oft viele Bäume gefällt, um wenige wertvolle Stücke zu finden – ein wesentlicher Grund dafür, dass wilde Bestände stark zurückgegangen sind.

Vom Holz zum Oudöl

Für Oudöl werden die harzhaltigen Holzstücke zerkleinert, eingeweicht und anschließend destilliert. Die Ausbeute ist extrem gering: Aus rund 70 Kilogramm Holz gewinnt man nach verbreiteten Angaben höchstens etwa 20 Milliliter Öl. Entsprechend gehört echtes Oudöl zu den teuersten Rohstoffen der Parfümerie. Hochwertiges Holz mit sehr hohem Harzanteil wird zudem nicht destilliert, sondern als Räucherholz gehandelt.

Wie riecht Oud?

Oud ist keine einheitliche Note. Herkunft, Baumart, Harzanteil und Destillation verändern den Charakter stark. Typische Facetten sind:

  • Holzig und harzig – trocken, dicht, mit einer dunklen, fast süßlichen Tiefe
  • Rauchig – wie verglimmendes Räucherholz
  • Ledrig und balsamisch – weich, warm, leicht medizinisch
  • Animalisch – bei manchen Ölen eine stallartige, fermentierte Note, die viele Einsteiger überrascht

In der Duftpyramide sitzt Oud fast immer in der Basis. Die Note ist schwer, verdunstet langsam und prägt den Duft über viele Stunden.

Oud, Artenschutz und CITES

Weil wilde Agarholz-Bestände durch Übernutzung stark geschrumpft sind, steht Oud unter internationalem Schutz. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) führt Aquilaria malaccensis seit 1995 in Anhang II, seit 2004 gilt das für alle Aquilaria-Arten. Auch die Gattung Gyrinops steht heute in Anhang II.

Anhang II bedeutet kein Handelsverbot, aber: Holz, Späne und Öl dürfen international nur mit Genehmigungen gehandelt werden, und die Ausfuhrländer müssen nachweisen, dass der Handel den Bestand nicht gefährdet. Mehrere Aquilaria-Arten gelten in der Roten Liste der IUCN als gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht.

Plantagen-Oud

Ein großer Teil des heute gehandelten Agarholzes stammt aus Plantagen, zum Beispiel in Indien, Bangladesch, Malaysia oder Sri Lanka. Dort werden die Bäume gezielt verletzt und mit Pilzkulturen beimpft, damit sie Harz bilden. Das entlastet die wilden Bestände. Plantagen-Oud gilt als gleichmäßiger und deutlich günstiger, aber in der Regel auch als weniger komplex als Öl aus altem, wild gewachsenem Holz.

Natürliches oder synthetisches Oud?

In den meisten westlichen Parfums steckt kein oder nur sehr wenig natürliches Oudöl. Stattdessen bauen Parfümeure einen Oud-Akkord aus anderen Stoffen nach: holzige, ledrige und rauchige Riechstoffe, ergänzt um Naturstoffe wie Cypriol (Nagarmotha), Vetiver oder Birkenteer. Solche Akkorde haben mehrere Vorteile:

  • Sie sind jederzeit in gleicher Qualität verfügbar.
  • Sie schonen die geschützten Bestände.
  • Sie lassen sich „sauberer“ gestalten, ohne die animalische Facette, die viele Europäer irritiert.
  • Sie sind deutlich günstiger als echtes Oudöl.

Für dich heißt das: „Oud“ in einer Duftpyramide beschreibt einen Duftcharakter, nicht zwingend einen Rohstoff. Ob echtes Agarholzöl enthalten ist, geben Marken nur freiwillig an. Ein gut gebauter Akkord ist dabei kein Qualitätsmangel – er ist in der modernen Parfümerie der Normalfall.

Die wichtigsten Oud-Stile

Stil Typische Begleiter Wirkung
Traditionell-arabisch Rose, Safran, Amber, Moschus dicht, opulent, oft als Öl getragen
Rose-Oud Damaszener- oder Taif-Rose, Patchouli blumig-dunkel, klassischer Kontrast
Westlich-holzig Zedernholz, Vetiver, Sandelholz, Kardamom trocken, glatt, alltagstauglich
Rauchig-ledrig Weihrauch, Birkenteer, Leder, Tabak dunkel, markant, intensiv
Gourmand-Oud Vanille, Tonkabohne, Karamell, Praline süß-warm, weicher Einstieg in die Note

Wer Oud zum ersten Mal ausprobiert, kommt mit westlich-holzigen oder süßeren Interpretationen meist leichter zurecht. Traditionelle Öle und rauchig-ledrige Düfte sind deutlich fordernder.

Bekannte Oud-Parfums

Die folgenden Düfte nennen Oud (Agarholz) laut Hersteller bzw. den gängigen Duftdatenbanken ausdrücklich in ihrer Komposition. Sie zeigen, wie unterschiedlich die Note eingesetzt wird.

Duft Jahr Parfumeur Oud kombiniert mit
Yves Saint Laurent M7 2002 Jacques Cavallier, Alberto Morillas Bergamotte, Mandarine, Rosmarin, Vetiver, Amber, Moschus
Tom Ford Oud Wood 2007 Richard Herpin Rosenholz, Kardamom, Sichuan-Pfeffer, Sandelholz, Vetiver, Tonkabohne, Vanille, Amber
Nasomatto Black Afgano 2009 Alessandro Gualtieri Cannabis-Akkord, Harze, Kaffee, Tabak, Weihrauch
Maison Francis Kurkdjian Oud 2012 Francis Kurkdjian Safran, Elemi, Patchouli, Zedernholz

M7: Oud im Designerduft

Yves Saint Laurent M7 von 2002 gilt als einer der ersten großen Designerdüfte, in denen Agarholz eine tragende Rolle spielt. Bis dahin war Oud in Europa vor allem aus der arabischen Parfümerie bekannt. M7 kombiniert die Note mit Vetiver, Zitrus und Rosmarin. 2011 folgte eine überarbeitete Fassung unter dem Namen M7 Oud Absolu.

Oud Wood: die glatte Variante

Tom Ford Oud Wood erschien 2007 in der Private-Blend-Linie. Der Duft verbindet Oud mit Rosenholz, Kardamom, Sandelholz und Vetiver und wird häufig als zugänglich und wenig animalisch beschrieben. Er gilt als einer der Düfte, die Oud im Westen einem breiten Publikum bekannt gemacht haben.

Dunkel und harzig: Black Afgano

Nasomatto Black Afgano ist ein Extrait de Parfum, in dem Oud zusammen mit Weihrauch die Basis bildet. Mehr dazu findest du in unserem Porträt zu Nasomatto Black Afgano.

Oud mit Safran: MFK Oud

Francis Kurkdjian stellte 2012 unter seinem eigenen Label den Duft Oud vor. Er verbindet die Note mit Safran, Elemi, Patchouli und Zedernholz – eine Kombination, die typisch für viele moderne Oud-Düfte ist. Weitere Häuser, die sich auf Oud spezialisiert haben, etwa Montale, stellen wir in der Übersicht Nischenparfum-Marken vor.

Oud-Parfum richtig tragen

Oud ist eine kräftige Basisnote. Ein bis zwei Sprühstöße reichen in der Regel, vor allem bei Extraits und traditionellen Ölen. Einige Tipps:

  • Sparsam dosieren: Oud entfaltet sich über Stunden und wird in engen Räumen schnell dominant.
  • Kühle Jahreszeit: Im Herbst und Winter wirkt Oud runder, bei Hitze kann es schwer werden.
  • Vorher testen: Die animalische Facette mancher Oud-Qualitäten zeigt sich oft erst nach einer Weile. Ein Duft sollte deshalb über mehrere Stunden auf der Haut getestet werden – am besten mit einer Parfumprobe.
  • Kombinieren: In arabischer Tradition werden Oudöle oft mit Rosenöl oder Moschus geschichtet.

Welche Konzentration besonders intensiv ist, erklärt unser Artikel zum Extrait de Parfum.

Häufige Fragen

Was ist Oud im Parfum?

Oud ist das Harz bzw. das daraus gewonnene Öl von Agarholz, dem Kernholz von Aquilaria-Bäumen. Es bildet sich, wenn der Baum verletzt und von Pilzen befallen wird. Im Parfüm steht „Oud“ für eine holzig-harzige, rauchige und ledrige Basisnote.

Wie riecht Oud?

Oud riecht holzig, harzig, rauchig und leicht süß-balsamisch. Manche natürliche Öle haben zusätzlich eine animalische, stallartige Facette. Synthetische Oud-Akkorde wirken meist glatter und sauberer.

Warum ist Oud so teuer?

Nur ein kleiner Teil der Bäume bildet überhaupt Harz, die Bildung dauert Jahre, und die Ölausbeute beim Destillieren ist sehr gering. Dazu kommen Handelsbeschränkungen durch den Artenschutz. Deshalb arbeiten die meisten Parfums mit nachgebauten Oud-Akkorden.

Ist Oud geschützt?

Ja. Alle Aquilaria-Arten stehen seit 2004 in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES), auch Gyrinops ist gelistet. Der internationale Handel mit Holz und Öl ist damit genehmigungspflichtig.

Ist Oud ein Damen- oder Herrenduft?

Weder noch. In der arabischen Welt tragen Frauen und Männer Oud gleichermaßen. Im Westen wurde die Note zuerst in Herrendüften bekannt, heute sind viele Oud-Parfums ausdrücklich unisex. Mehr zum Thema liest du im Artikel Unisex-Parfum.

Enthält jedes Oud-Parfum echtes Agarholz?

Nein. Die meisten Düfte verwenden einen Oud-Akkord aus anderen Riechstoffen. Echtes Oudöl wird vor allem in traditionellen Ölparfums und in einzelnen hochpreisigen Kompositionen verwendet.

Weitere Noten findest du kompakt erklärt im Duftnoten-Lexikon.

Stand: September 2026

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