
Duftpyramide: Kopfnote, Herznote und Basisnote erklärt
Die Duftpyramide beschreibt, wie sich ein Parfum auf der Haut in drei Phasen entwickelt: Kopfnote, Herznote und Basisnote. Die Kopfnote ist der erste Eindruck und verfliegt nach wenigen Minuten, die Herznote prägt den Charakter über Stunden, die Basisnote bildet das lang anhaltende Fundament. Grund dafür ist, dass Duftstoffe unterschiedlich schnell verdunsten.
In diesem Artikel erfährst du, welche Duftnoten typischerweise in welcher Stufe stehen, wie lange die Phasen ungefähr dauern, wie du eine Duftpyramide liest und warum nicht jedes Parfum dem Modell folgt.
Was ist eine Duftpyramide?
Die Duftpyramide ist ein Modell, mit dem Parfumeure und Händler den Aufbau eines Dufts beschreiben. Sie ordnet die verwendeten Duftstoffe nach ihrer Flüchtigkeit: oben die leichten, schnell verdunstenden Stoffe, unten die schweren, lange haftenden. Die Systematik wird häufig dem französischen Parfumeur Jean Carles zugeschrieben, der im 20. Jahrhundert eine einflussreiche Lehrmethode für Parfumeure entwickelte.
Wichtig zu wissen: Die Pyramide ist eine Vereinfachung. In Wirklichkeit gehen die Phasen fließend ineinander über, und alle Stoffe verdunsten gleichzeitig – nur unterschiedlich schnell. Trotzdem hilft das Modell sehr, einen Duft vor dem Kauf einzuschätzen.
Kopfnote, Herznote, Basisnote im Überblick
| Stufe | Ungefähre Dauer | Aufgabe | Typische Duftnoten |
|---|---|---|---|
| Kopfnote | ca. 5–15 Minuten, selten bis 30 Minuten | erster Eindruck, Frische, Auftakt | Bergamotte, Zitrone, Orange, Grapefruit, Mandarine, grüne Noten, Minze, rosa Pfeffer |
| Herznote | ca. 2–4 Stunden | Charakter und Thema des Dufts | Rose, Jasmin, Maiglöckchen, Pfingstrose, Lavendel, Geranie, Iris, Gewürze wie Zimt oder Kardamom |
| Basisnote | viele Stunden, auf Kleidung oft länger | Fundament, Tiefe, Haftung | Zedernholz, Sandelholz, Vetiver, Patchouli, Moschus, Vanille, Tonkabohne, Amber, Harze wie Benzoe oder Weihrauch |
Die Zeitangaben sind grobe Richtwerte aus der Parfümerie. Wie lange ein Duft tatsächlich hält, hängt außerdem von Konzentration, Hauttyp, Temperatur und den konkreten Rohstoffen ab. Mehr dazu im Ratgeber Parfum-Haltbarkeit.
Die Kopfnote: der erste Eindruck
Die Kopfnote (auch Auftakt oder Top Note) ist das, was du direkt nach dem Aufsprühen riechst. Sie besteht aus kleinen, leichten Duftmolekülen, die sehr schnell verdunsten. Typisch sind Zitrusnoten, aromatische Kräuter und grüne, frische Noten.
Die Kopfnote hat eine wichtige Aufgabe: Sie weckt Interesse und entscheidet oft über den Kauf. Genau darin liegt eine Falle. Wer einen Duft nur am Teststreifen im Geschäft beurteilt, bewertet vor allem die ersten Minuten. Ob dir der Duft auch nach einer Stunde noch gefällt, erfährst du erst, wenn Herz- und Basisnote übernommen haben.
Die Herznote: der Charakter
Nach dem Verfliegen der Kopfnote tritt die Herznote hervor (auch Mittelnote oder Heart Note). Sie ist das eigentliche Thema des Parfums und bestimmt, ob ein Duft als blumig, würzig, aromatisch oder fruchtig wahrgenommen wird. Hier finden sich die klassischen Blüten wie Rose, Jasmin und Maiglöckchen, aber auch Lavendel, Geranie oder Gewürze.
Die Herznote verbindet Auftakt und Fundament. Sie trägt Elemente der Kopfnote weiter und wird allmählich von der Basis unterlegt. In dieser Phase erlebst du einen Duft die meiste Zeit des Tages.
Die Basisnote: das Fundament
Die Basisnote (auch Fond oder Base Note) besteht aus schweren, großen Molekülen, die nur langsam verdunsten. Hölzer, Harze, Moschus, Vanille, Tonka und Amber sind typische Vertreter. Sie geben einem Duft Tiefe und Wärme und sorgen dafür, dass er lange haftet.
Die Basis wirkt außerdem als Fixateur: Sie bremst das Verdunsten der leichteren Stoffe und hält den Duft zusammen. Den sogenannten Dry-down – die letzte, ruhige Phase eines Dufts – bestimmt fast ausschließlich die Basisnote. Auf Kleidung, Schals oder in den Haaren ist sie oft noch am nächsten Tag wahrnehmbar.
Warum sich die Noten nacheinander zeigen
Der Grund für die drei Phasen ist Physik. Jeder Duftstoff hat einen eigenen Dampfdruck: Kleine, leichte Moleküle gehen bei Hauttemperatur schnell in die Luft über, große und schwere Moleküle langsam. Zitrusöle bestehen zu großen Teilen aus sehr flüchtigen Stoffen, deshalb riechst du sie sofort und kurz. Hölzer, Harze und Moschusstoffe verdunsten dagegen so langsam, dass sie anfangs kaum auffallen und erst später in den Vordergrund treten.
Parfumeure nutzen das gezielt. Sie wählen und dosieren die Stoffe so, dass die Übergänge harmonisch wirken und keine Lücke entsteht, in der der Duft plötzlich „leer“ riecht. Eine gut gebaute Pyramide erkennt man daran, dass sich der Duft verändert, aber als Einheit erkennbar bleibt.
Beispiel: So liest du eine Duftpyramide
Nehmen wir als Beispiel die veröffentlichte Duftpyramide unseres eigenen Dufts Sylt Man, eines Fougère:
- Kopfnote: Zitrone, Bergamotte, Orange
- Herznote: Lavendel, Geranie
- Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Tonka
Daraus lässt sich ablesen: Der Auftakt ist zitrisch-frisch. Danach übernimmt ein aromatisches Herz aus Lavendel und Geranie – das klassische Thema eines Fougère. Im Verlauf wird der Duft von Zedernholz, Patchouli und Tonka getragen und wirkt zunehmend holzig und warm. Wer Zitrus mag, aber keine holzige Basis, wird mit einem solchen Duft auf Dauer eher nicht glücklich – obwohl die ersten Minuten gefallen.
So kannst du jede Pyramide lesen. Frag dich bei jeder Stufe:
- Welche Noten kenne ich, und mag ich sie?
- Wo liegt der Schwerpunkt – eher frisch, blumig, würzig, holzig oder süß?
- Passt die Basisnote zu mir? Sie begleitet mich am längsten.
Hinweis: SYLT Parfum ist unsere eigene Marke. Die Pyramiden aller drei SYLT-Düfte findest du auf den Produktseiten von Sylt Woman, Sylt Man und [digital:blue].
Warum nicht jedes Parfum eine klassische Duftpyramide hat
Lineare Düfte
Manche Parfums sind bewusst so komponiert, dass sie sich kaum verändern. Man spricht von linearen Düften. Sie riechen vom ersten Moment bis zum Dry-down sehr ähnlich. Häufig bauen sie auf wenigen synthetischen Molekülen auf, etwa holzigen Ambernoten oder Moschusstoffen. Für solche Düfte wird oft nur eine Liste von Hauptnoten ohne Aufteilung angegeben.
Akkorde statt Einzelnoten
Eine Duftnote wie „Meeresbrise“ oder „Leder“ ist oft kein einzelner Rohstoff, sondern ein Akkord: eine Mischung mehrerer Stoffe, die zusammen einen bestimmten Eindruck erzeugen. Die Angaben in einer Duftpyramide beschreiben also meist den Geruchseindruck, nicht die exakte Zutatenliste.
Marketing-Noten
Nicht jede angegebene Note ist wörtlich zu nehmen. Begriffe wie „Kaschmirholz“ oder „weißer Moschus“ sind Fantasie- oder Sammelbezeichnungen für Duftrichtungen. Die offizielle INCI-Liste auf der Verpackung zeigt dagegen die deklarationspflichtigen Inhaltsstoffe und Allergene, aber nicht die Duftpyramide.
Duftpyramide und Duftfamilie: der Unterschied
Die Duftpyramide zeigt, wie sich ein Duft zeitlich entwickelt. Die Duftfamilie ordnet ihn in eine Stilrichtung ein, etwa blumig, holzig, frisch, orientalisch, Chypre oder Fougère. Beide Angaben ergänzen sich. Wenn du wissen möchtest, welche Duftfamilie zu dir passt, lies unseren Ratgeber Welches Parfum passt zu mir?
Warum riecht ein Parfum auf jeder Haut anders?
Die Duftpyramide ist bei allen gleich, das Ergebnis nicht. Hauttemperatur, Feuchtigkeit, pH-Wert und die eigene Körperchemie beeinflussen, welche Noten stärker hervortreten. Auf warmer Haut entfaltet sich die Kopfnote schneller, auf trockener Haut verfliegt ein Duft eher. Auch Ernährung, Medikamente oder Hautpflegeprodukte können eine Rolle spielen. Deshalb gilt: Teste einen Duft immer auf deiner eigenen Haut und über mehrere Stunden.
Welche Rolle spielt die Konzentration?
Eine höhere Konzentration verändert nicht die Reihenfolge der Phasen, aber oft ihr Gewicht. In einem Eau de Toilette tritt die Kopfnote meist stärker in den Vordergrund, in einem Eau de Parfum oder Extrait de Parfum gewinnen Herz und Basis an Raum. Zudem passen Parfumeure die Formel je nach Konzentration oft an. Die Unterschiede erklärt unser Artikel zu Eau de Parfum und Eau de Toilette.
So testest du einen Duft über alle drei Phasen
- Sprüh den Duft auf die Haut, nicht nur auf einen Teststreifen.
- Riech direkt danach und nach etwa 15 Minuten: Das ist die Kopfnote.
- Riech nach ein bis zwei Stunden erneut: Jetzt dominiert die Herznote.
- Riech am Nachmittag oder Abend: Das ist die Basisnote.
- Teste höchstens zwei bis drei Düfte gleichzeitig und an verschiedenen Stellen, sonst verschwimmen die Eindrücke.
Proben sind dafür ideal, weil du einen Duft einen ganzen Tag tragen kannst. Unser Duftprobenset enthält alle drei SYLT-Düfte in je 1,5 ml.
Häufige Fragen
Wie lange hält die Kopfnote?
Meist etwa 5 bis 15 Minuten, bei manchen Düften bis zu einer halben Stunde. Zitrusnoten verfliegen besonders schnell.
Was ist der Unterschied zwischen Herznote und Basisnote?
Die Herznote bestimmt den Charakter über die ersten Stunden, die Basisnote bildet das Fundament und bleibt am längsten. Die Basis besteht aus schwereren Stoffen wie Hölzern, Harzen, Moschus oder Vanille.
Hat jedes Parfum eine Duftpyramide?
Nein. Lineare Düfte verändern sich kaum und werden oft nur mit Hauptnoten beschrieben.
Kann man an der Duftpyramide erkennen, wie lange ein Parfum hält?
Nur grob. Eine Basis aus Hölzern, Harzen, Moschus oder Vanille spricht für gute Haftung, ein Duft mit vorwiegend Zitrusnoten verfliegt eher schneller. Genaueres zeigt nur der Test auf der eigenen Haut.
Warum riecht mein Parfum nach einiger Zeit ganz anders?
Weil die Kopfnoten verflogen sind und nun Herz- und Basisnoten dominieren. Das ist so gewollt und zeigt die Entwicklung eines Dufts.
Wo finde ich die Duftpyramide eines Parfums?
Meist auf der Website des Herstellers, auf der Produktseite des Händlers oder in Duftdatenbanken wie Fragrantica oder Parfumo.
Stand: September 2026

![SYLT Duftprobenset: drei Probenkarten Woman, [digital:blue] und Man](http://syltparfum.de/cdn/shop/articles/sylt-probenset-magazin_386b7550-b188-42d5-817f-439f5a5a340d.jpg?v=1792670326&width=1200)
