
Tonka-Parfum: Tonkabohne, Cumarin und bekannte Düfte
Ein Tonka-Parfum ist ein Duft, in dem die Tonkabohne eine prägende Rolle spielt. Tonka riecht warm und süß nach Heu, Mandel, Vanille und etwas Tabak. Verantwortlich dafür ist vor allem Cumarin, ein Duftstoff, der in der Bohne in hoher Menge vorkommt. Im Parfüm sitzt Tonka meist in der Basis und gibt Düften eine weiche, cremige Wärme – vom klassischen Fougère bis zum modernen Gourmand.
Hier erfährst du, woher die Tonkabohne kommt, was Cumarin ist, wie der Stoff in Kosmetik und Lebensmitteln reguliert wird und in welchen bekannten Düften Tonka eine Hauptrolle spielt.
Was ist die Tonkabohne?
Die Tonkabohne ist der Samen des Tonkabaums (Dipteryx odorata), eines großen Baumes aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Er wächst im nördlichen Südamerika. Wichtigstes Erzeugerland ist Venezuela, gefolgt von Brasilien und Kolumbien.
Die Früchte enthalten jeweils einen einzelnen Samen. Nach der Ernte wird die harte Schale entfernt, die Bohnen werden getrocknet und dabei schwarz und runzelig. Getrocknete Tonkabohnen sehen aus wie große, dunkle Rosinen und duften schon im ganzen Zustand intensiv. In der Parfümerie wird daraus ein Tonka-Absolue gewonnen, meist per Lösungsmittelextraktion. Noch häufiger arbeiten Parfümeure allerdings mit synthetischem Cumarin, dem wichtigsten Duftbaustein der Bohne.
Wie riecht Tonka?
Tonka ist eine der wärmsten Noten der Parfümerie. Typische Facetten sind:
- Heu – trocken, süßlich-würzig, wie frisch getrocknetes Gras
- Mandel und Marzipan – weich und nussig
- Vanille – cremig, aber weniger zuckrig als echte Vanille
- Tabak und Karamell – eine dunklere, leicht rauchige Süße
In der Duftpyramide gehört Tonka zu den Basisnoten, manchmal steht sie schon im Herz. Sie verdunstet langsam, rundet frische und blumige Noten ab und bleibt lange auf der Haut wahrnehmbar.
Cumarin: der Duftstoff der Tonkabohne
Den größten Anteil am Duft der Tonkabohne hat Cumarin. Die Samen enthalten davon normalerweise etwa 1 bis 3 Prozent, in seltenen Fällen deutlich mehr. Cumarin ist eine farblose, kristalline Substanz mit süßem, vanilleartigem Geruch. Es kommt auch in anderen Pflanzen vor, zum Beispiel in Waldmeister und in Cassia-Zimt – deshalb erinnern diese Gerüche an Tonka.
Ein Stück Parfumgeschichte
Cumarin wurde 1820 in München von A. Vogel aus Tonkabohnen isoliert. Der Name leitet sich von „coumarou“ ab, dem französischen Wort für Tonkabohne, das auf die indigene Sprache Tupí zurückgeht. 1868 gelang dem englischen Chemiker William Henry Perkin die erste Synthese.
Damit war Cumarin einer der ersten synthetischen Riechstoffe überhaupt – und er veränderte die Parfümerie. 1882 setzte das Haus Houbigant ihn in Fougère Royale ein. Der Duft gab der Familie der Fougère-Düfte ihren Namen, die bis heute auf dem Dreiklang aus Lavendel, Eichenmoos und Cumarin aufbaut. Wenige Jahre später folgte Guerlain mit Jicky (1889), das neben Cumarin auch synthetisches Ethylvanillin enthält.
Wie ist Cumarin reguliert?
Cumarin ist kein verbotener Stoff, wird aber in mehreren Bereichen begrenzt. Der Grund: In hohen Dosen kann Cumarin die Leber belasten, auf der Haut kann es bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen.
| Bereich | Regelung | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| Kosmetik (EU) | Kennzeichnungspflichtiger Duftstoff nach der EU-Kosmetikverordnung | Auf der Verpackung muss „Coumarin“ stehen, wenn bestimmte Mengen überschritten werden – bei Produkten, die auf der Haut bleiben, ab 0,001 Prozent. |
| Parfümerie (IFRA) | Standard der International Fragrance Association | Die IFRA legt für Cumarin Höchstmengen je nach Produktart fest, die Mitgliedsunternehmen einhalten. |
| Lebensmittel (EU) | Höchstgehalte nach der EU-Aromenverordnung | Reines Cumarin darf Lebensmitteln nicht zugesetzt werden. Für Lebensmittel mit cumarinhaltigen Zutaten gelten Höchstwerte, z. B. 50 mg/kg für traditionelles Zimtgebäck. |
| Lebensmittel (USA) | Einstufung durch die FDA seit 1954 | Lebensmittel mit Tonkabohnen gelten dort als verfälscht und sind nicht zugelassen. |
Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt als tolerierbare tägliche Aufnahme 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht. Für Parfums spielt dieser Wert keine Rolle, da sie nicht verzehrt werden – relevant ist hier vor allem die Allergen-Kennzeichnung.
Neue Allergen-Kennzeichnung
Mit der Verordnung (EU) 2023/1545 hat die EU die Liste der kennzeichnungspflichtigen Duftstoffe deutlich erweitert. Für die Umstellung gelten Übergangsfristen bis 2026 bzw. 2028. Cumarin steht bereits seit Langem auf der Liste – du findest es deshalb auf vielen Parfumverpackungen in der Liste der Inhaltsstoffe.
Tonka in den Duftfamilien
Fougère
Ohne Cumarin gäbe es keinen Fougère. Die Kombination aus frischem Lavendel, herbem Eichenmoos und warmer Tonka ist das Grundgerüst vieler klassischer Herrendüfte. Mehr über den Lavendel-Teil dieses Akkords liest du in unserem Artikel zum Lavendel-Parfum.
Gourmand
In süßen, „essbaren“ Düften ist Tonka eine der wichtigsten Zutaten. Sie verbindet Noten wie Karamell, Mandel, Praline und Schokolade und macht sie cremiger. Häufig steht sie neben Vanille, die ähnlich warm, aber zuckriger wirkt. Einen Überblick über Vanille-Düfte findest du im Artikel Vanille-Parfum.
Orientalisch / Amber
In warmen Amber-Düften sorgt Tonka zusammen mit Harzen wie Benzoe und Labdanum für eine weiche, pudrige Tiefe. Oft wird sie mit Gewürzen wie Zimt oder Kardamom kombiniert.
Holzig
Auch holzige Düfte profitieren von Tonka: Sie nimmt trockenen Hölzern wie Zedernholz oder Vetiver die Strenge. Häufig kommt dazu Patchouli, das die Wärme erdiger macht – mehr dazu im Artikel Patchouli-Parfum.
Bekannte Tonka-Parfums
Die folgenden Düfte nennen Tonkabohne laut Hersteller bzw. den gängigen Duftdatenbanken ausdrücklich in ihrer Komposition. Die Auswahl reicht vom 19. Jahrhundert bis heute.
| Duft | Jahr | Parfumeur | Tonka kombiniert mit |
|---|---|---|---|
| Guerlain Jicky | 1889 | Aimé Guerlain | Lavendel, Bergamotte, Rosmarin, Iris, Vanille, Leder |
| Guerlain Shalimar | 1925 | Jacques Guerlain | Bergamotte, Vanille, Harze |
| Mugler Angel | 1992 | Olivier Cresp, Yves de Chiris | Patchouli, Schokolade, Karamell, Vanille |
| Jean Paul Gaultier Le Male | 1995 | Francis Kurkdjian | Lavendel, Vanille |
| Tom Ford Tobacco Vanille | 2007 | Olivier Gillotin | Tabakblatt, Vanille, Kakao, Trockenfrüchte |
| Guerlain Tonka Impériale | 2010 | Thierry Wasser | Bittermandel, Rosmarin, Tabak, Jasmin, Weihrauch, Zedernholz |
Jicky und Shalimar
Guerlain Jicky von 1889 gilt als einer der ersten Düfte mit synthetischen Riechstoffen: Cumarin und Ethylvanillin verbinden sich darin mit Lavendel und Zitrus. Shalimar von 1925 setzt eine kräftige Bergamotte gegen eine üppige Basis aus Vanille, Tonkabohne und Harzen.
Le Male
Jean Paul Gaultier Le Male erschien 1995, kreiert von Francis Kurkdjian. Der Duft wird als orientalischer Fougère eingeordnet: Lavendel im Herz trifft auf Tonkabohne und Vanille in der Basis.
Tobacco Vanille und Tonka Impériale
In Tom Ford Tobacco Vanille steht Tonka im Herz neben Vanille, Kakao und Tabakblüte. Guerlain Tonka Impériale aus der Kollektion L'Art et la Matière stellt die Bohne schon im Namen in den Mittelpunkt und verbindet sie mit Bittermandel, Rosmarin und Tabak.
Für wen passen Tonka-Düfte?
Tonka-Düfte passen gut, wenn du:
- warme, weiche Düfte magst, die nicht zu süß sind,
- den Geruch von Heu, Mandel oder Vanille angenehm findest,
- im Herbst und Winter etwas Gemütliches tragen möchtest – Ideen findest du bei unseren Herbstdüften,
- klassische Fougères oder moderne Gourmands bevorzugst.
Tonka ist zudem eine gute Einstiegsnote für alle, die sich an warme Düfte herantasten wollen: Sie ist weniger schwer als Oud und weniger erdig als Patchouli.
Aus unserem Sortiment
Sylt Man ist ein frischer, aromatischer Fougère. Zitrone, Bergamotte und Orange eröffnen den Duft, im Herz stehen Lavendel und Geranie. Die Basis bilden Zedernholz, Patchouli und Tonka.
Sylt Man ist ein Extrait de Parfum (50 ml, 110 € (22,00 €/100 ml)) von Parfümeur Karl-Heinz Bork. Zum Kennenlernen gibt es das Duftprobenset mit allen drei SYLT-Düften (3 × 1,5 ml, 30 € (666,67 €/100 ml)).
Hinweis: SYLT Parfum ist unsere eigene Marke.
Häufige Fragen
Wie riecht Tonka im Parfum?
Tonka riecht warm und süß, nach Heu, Mandel und Vanille, oft mit einer leicht tabakartigen Note. Sie wirkt cremig und weich und rundet frische oder blumige Noten ab.
Ist Tonka dasselbe wie Vanille?
Nein. Beide riechen warm und süß, stammen aber von verschiedenen Pflanzen. Vanille verdankt ihren Duft vor allem Vanillin, Tonka dem Cumarin. Tonka wirkt heuartiger und nussiger, Vanille cremiger und zuckriger.
Ist Cumarin im Parfum gefährlich?
Cumarin kann bei empfindlichen Menschen Hautallergien auslösen. Deshalb begrenzt die IFRA die Einsatzmengen, und in der EU muss Cumarin ab einer bestimmten Konzentration auf der Verpackung angegeben werden. Wer auf Cumarin allergisch reagiert, sollte die Liste der Inhaltsstoffe prüfen.
Warum ist die Tonkabohne in den USA verboten?
Die US-Lebensmittelbehörde FDA stuft Lebensmittel mit Tonkabohnen seit 1954 als verfälscht ein, weil Cumarin in hohen Dosen die Leber schädigen kann. Das betrifft Lebensmittel, nicht Parfums.
Ist Tonka ein Damen- oder Herrenduft?
Beides. Tonka ist Kernbestandteil vieler Herren-Fougères, steckt aber ebenso in Damen-Gourmands und in Unisex-Düften. Mehr dazu liest du im Artikel Unisex-Parfum.
Weitere Noten findest du kompakt erklärt im Duftnoten-Lexikon.
Stand: September 2026

![SYLT Duftprobenset: drei Probenkarten Woman, [digital:blue] und Man](http://syltparfum.de/cdn/shop/articles/sylt-probenset-magazin_e04cd3ef-3a95-4545-a899-c6c81711c91a.jpg?v=1792670354&width=1200)
![SYLT Duftprobenset: drei Probenkarten Woman, [digital:blue] und Man](http://syltparfum.de/cdn/shop/articles/sylt-probenset-magazin_b552d40b-4261-42fd-ae91-2e2cffb5d24e.jpg?v=1792670358&width=1200)